Historisches

Die 19. Internationale Friedensfahrt Prag – Warschau - Berlin 1966 führte mit einer Etappe auch durch Friedrichsruhe

In der Geschichte der Friedensfahrt führten mehrmals Etappen durch Mecklenburg, damals noch die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. 1966 ging eine Etappe von Schwerin nach Potsdam.
Am Dienstag, den 24. Mai führte die 14. Etappe von Schwerin nach Potsdam mit einer Länge von 246 Kilometern. Ein Ehrenstart erfolgte in Schwerin am Pfaffenteich um 10.30 Uhr, der offizielle Start um 10.45 Uhr in Zippendorf. Von dort ging es  weiter entlang der Fernverkehrsstraße über Crivitz mit Ankunft in Friedrichsruhe. So gegen 11.15 - 11.45 Uhr wurden die Friedensfahrer hier erwartet und weiter ging die Fahrt durch den Kreis Parchim über Bergrade, Parchim, Slate, Marnitz und Suckow, durch die Kreise Pritzwalk und Perleberg in Richtung Potsdam. Die Ankunft war ab 16.45 Uhr geplant.

Jürgen Senger im November 2018
Vielen Dank Frau Ebert vom Stadtarchiv Parchim für die Hilfe bei der Recherche.

Zur Geschichte von Friedrichsruh(e) früher Gömtow

Dem Interessierten Leser hier eine kleine Zusammenfassung  aus der Geschichte von Hof Friedrichsruhe unter Verwendung von Gemeindeunterlagen und meinen eigenen Recherchen.
Besonderen Dank den netten Damen die sich in den 90er Jahren in ABM Maßnahmen mit der Chronik beschäftigt haben.
Friedrichsruhe im März 2017
Jürgen Senger


Die Schreibweise hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert. Von Ghometowe – Gometowe – Gömtow – Friedrichsruh bis zum heutigen Friedrichsruhe. Der ursprüngliche Name stammt aus den Slawischen und ist von einem Personennamen abgeleitet, hier steckt das Wort Kummert drin. Die Bedeutung ist ein Teil eines Pferdegeschirrs.

Henneke Mallyn van Ghomtowe war ein großer Straßenräuber. Seine Burg soll sich unweit des ehemaligen Gutshauses befunden haben.
1385 wurde die Burg zerstört. In diesem Jahr vereinigten sich die Lübecker mit König Albert von Schweden mit seinen Städten Rostock und Wismar und deren Heer um gegen die Straßenräuber vorzugehen. Es sind wohl 30 Burgfesten vernichtet worden, darunter auch Gömtow.

Erste urkundliche Erwähnung unseres Ortes ist der 12. Mai 1344 unter dem Namen Ghometowe im Mecklenburger Urkundenbuch.
Der Knappe Nikolaus von Mallin verkaufte den Knappen Gerhard Neuenkirchen und Werner Schönberg Hebungen aus den Dörfern Gömtow und Goldenbow.

Für viele Jahre waren bisher keine Unterlagen zu finden. Im 15. Jahrhundert ist das Dorf zu einem Gutshof geworden. Für fast 300 Jahre werden u.a. die Grabows als Gutsherren genannt. Um 1768 sind die neuen Gutsherren die Forstners.
1780 fällt das Gut an dem Erbprinzen Friedrich Franz I., der seit 1785 Landesherr von Mecklenburg ist.
Friedrichsruh verdankt seinen Namen Friedrich Franz I. Das genaue Jahr der Umbenennung ist nicht bekannt.

Der Überlieferung her reiste Friedrich Franz oft im Land umher um nach dem Rechten zu sehen. Wie er so umher fuhr befielen ihn starke Zahnscherzen. Er glaubte, das der Schmerz bald nachlassen würde, doch als er mehrere Nächte nicht richtig geschlafen hatte, beschloss er, nach Schwerin zurück zukehren. Das letzte Quartier nahm er im damaligen Gömtow. Wider Erwarten verbrachte er die ganze Nacht im tiefen Schlaf und am nächsten Morgen waren die Schmerzen wie weggeblasen. Aus diesem Anlass benannte er aus Dankbarkeit Gömtow in Friedrichsruh um.

In der Zeit vom ausgehenden 18 Jahrhundert bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war der Hof nicht in der Hand einer einzelnen Familie sondern wurde für einen bestimmten Zeitraum verpachtet.
-    1786 Verpachtung an den Pensionär Carl Christoph Schröder
-    1808 Verpachtung an den Pensionär Oldenburg
-    1823 Verpachtung an den Pensionär D. Fischer
-    1825 Verpachtung an den Inspektor Georg Diestel
-    1844 Verpachtung an den Pensionär Hagemeister
-    1857 Verpachtung an Mann
-    1867 Verpachtung an den Ökonomierat Otto Schwieger
Gegenüber allen anderen Pachtverträgen wurde dieser mehrmals verlängert zum letzten Mal im Mai 1909.
1916 starb Otto Schwieger und sein Schwiegersohn Hugo Voss übernahm die Pachtung bis zum Auslaufen des Vertrages 1923.

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise mit ihrer in schwindelerregende Höhen steigende Inflation machte der Landwirtschaft sehr zu schaffen. Nach Auslaufen des Vertrages wurde die Verfügungsgewalt über den Hof Friedrichsruhe von der Mecklenburgisch – Schwerinschen Landdrostei übernommen.

  • 1937 – 1945 Verpachtung an Alfred Karlowa
  • 1.5.1883 – 31.7. 1899 Bestand eine Posthilfsstelle in Friedrichsruh.
  • 1.8.1899 Eröffnung der Bahnstrecke Crivitz – Parchim mit einer Haltestelle in Friedrichsruh, mit gleichem Datum wurde auch eine Poststelle eröffnet.
  • 27.11.1899 Veränderung der Schreibweise von Friedrichsruh in Friedrichsruhe
  • 1937 Zusammenlegung von Dörfern gleichen Namens Hof und Dorf Friedrichsruhe werden zu einer Gemeinde
  • Im September 1945 war die Bodenreform, Landarme und Landlose erhielten durch die Enteignung des Alfred Karlowa aus dem Besitz des Gutes Siedlerstellen bis zu 10 ha.
  • 1.2.1946 erste Besprechung Betreffs zur Gründung einer neuen Gemeindevertretung. Die Zusammensetzung sollte wie folgt aussehen: je ein Vertreter von SPD, KPD, Gewerkschaft, Bauernhilfskommission, Umsiedler, Frauen, Häusler, Büdner, Bauer und zwei Vertreter der Jugend Antifa
  • September 1946 Einstellung eines Lehrers und dessen Verköstigung Auszug aus dem Gemeinde Protokoll
  • 1950 Zusammenlegung der Gemeinden Frauenmark, Goldenbow und Friedrichsruhe zur Gemeinde Friedrichsruhe
  • 1952 wurde die erste LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Frohe Zukunft gegründet.
  • 1.Mai 1952 aus der Ehemaligen Gaststätte Drecker wurde das Kulturhaus Einheit
  • 1954 Wiederaufnahme der Torfgewinnung in der Nähe des Bahnhofes unterhalb des Bahndammes.
  • 1973 wurde die neue Schule für ca. 200 Schüler eingeweiht
  • 7.5. 1974 Eröffnung einer Außenstelle der Kreispoliklinik in Friedrichsruhe Ärztin Frau Kremer
  • ab August 1981 wurde aus der ehemaligen Schule eine Förderstätte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • November 1989 - Gründung eines Umweltaktives
  • am 1. Juni 1992 wurde die Lewitz Werkstätten GmbH gegründet, bisher bekannt unter den Namen Friedrichsruher Werkstätten  für Menschen mit geistiger Behinderung.
  • Mai 1996 - Friedrichsruhe wird an das zentrale Wassernetz angeschlossen
  • September 1997 - Neues Reitzentrum eröffnet. Der Betreiber will in Friedrichsruhe Pferde züchten und ausbilden.
  • November 1999 - Erdgas für Friedrichsruhe. In diesem Zusammenhang wurden alle elektrischen Leitungen unterirdisch verlegt.
  • 1999/2000 Umbau der ehemaligen Förderstätte zum Gemeindezentrum u.a. mit Bannys Markt, Kindergarten, Jugendklub und Seniorentreff
  • 20.1.2003 Friedrichsruhe hat eine Postagentur in Bannys Markt eröffnet
  • April 2010 schnelles Internet - Breitbandversorgung über Funk
  • 2013 Neu- und Umbau des Gemeindezentrums
  • 2014 Tempo 100 für die Eisenbahn
  • Dazu mussten in Friedrichsruhe zwei halbseitige Schranken gebaut werden.
  • 2016 Lückenschluss im Radweg
  • Ein neuer Abschnitt von Friedrichsruhe nach Neu Ruthenbeck und von Neu Ruthenbeck nach Zapel wurde gebaut.
  • 3. April 2017 alle Dörfer der Gemeinde sollen eine einheitliche Postleitzahl erhalten. Bisher in Ruthenbeck 19089 in den anderen 19374, Neu 19089

 

 

Friedrichsruh(e) Dorf

Ein kleiner Beitrag zur Dorfgeschichte bearbeitet von Jürgen Senger

In alten Akten kann man auch die Bezeichnung Neu Friedrichsruh(e) lesen

 

1866 Stellte die Amts und Baubehörde den Antrag , die Pachtung Hof Friedrichsruh zu verkleinern. Der Auftrag betrag eine Ausrichtung einer Dorfschaft. Vorgesehen waren hier:

  • 4 Erbpachtstellen zu 20.000 Quadrat Ruten
  • 6 Büdner zu 3000 Quadrat Ruten
  • 12 Häusler zu 85 Quadrat Ruten
  • Schule zu 3000 Quadrat Ruten
  • Gemeindezwecke 3000 Quadrat Ruten

1867 wurde die Gemeinde in der Hoffeldmark von Friedrichsruh gegründet und zum

Schulzen wurde der Erbpächter Wilhelm Erdmann gewählt.

1.7.1870 Dem Dorf wurden Ländereien von 9901 Quadrat Ruten mit Zubehör per Grundbrief durch das Dominialamt Crivitz verliehen. Ausgeschlossen blieb aber das Jagdrecht.

Die Schulzenstelle musste jedes Jahr neu vergeben werden.

Am 31.5.1870 wurde der Mühlenpächter Westphal als Schulze eingesetzt, gleichzeitig wurde eine Gemeinde Ordnung eingeführt.

Ab den 12.5.1873 wurde der Büdner Johann Grützmacher als Schulze eingesetzt

1875 Die Namen von Häusler Janitz, Ferme, Holtz, Zündel, Weier und ( Mickow ) ? sowie die Einlieger Niemann, Schult, Barteis, Borchert und Rohrdan(t)z sind bekannt.

10.1.1877 Genehmigung für den Bau einer Häuslerei für den Landbriefträger Christoph Koch angestellt in der Postagentur Severin

16.9.1880 Antrag des Arbeitsmannes Johann Niemann zum Bau einer Häuslerei

6.11.1880 Der Antrag wurde genehmigt, er bekam neben der Parzelle VI eine Fläche von 85 Land Ruten zu einem Preis von 330 Reichsmark, Häuslerei Nr. 7 Niemann

17.2.1881 Antrag zum Bau der Häuslerei Nr. 8 für den Einlieger Möller

30.3.1882 Die Namen von Häusler Koch, Marquardt und Niemann sowie von Einlieger Zeidel waren zu finden.

12.2.1884 Schulze Grützmacher verkaufte seine Büdnerstelle und zog nach Goldenbow

12.2.1884 Schulze wurde der Erbpächter Wilhelm Thiessen

4.2. 1885 Antrag auf erneute Anstellung des Wilhelm Thiessen

18.2.1885 Einsetzung des Wilhelm Thiessen

28.9. 1885 Einlieger Heinrich Knaack möchte eine Parzelle kaufen und eine Häuslerei errichten

5.10.1885 Der Antrag wurde bewilligt Häuslerei Nr. 9 neben Nr. 8

25.10 1888 Antrag von den Einliegern Borchert und Rohrdantz zum Erwerb von Land und den Bau von Häuslereien

15.10.1888 Die Genehmigung wurde erteilt Häuslerei Nr. 10 und 11

31.07.1891 Die Namen von Häusler Johann Marquardt, Lembke aus Zieslübbe, Paschen, Häusler und Tischler Pölkow sowie dem Büdner Frank sind zu finden.

Am 05.11 des vorherigen Jahres hat der Häusler Johann Paschen aus dem Dorf Friedrichsruhe vorgetragen, dass der Häusler Johann Marquardt aus Dorf Friedrichsruh zusammen mit dem Tischler Pelkow daselbst und dem Häusler Lembke aus Zieslübbe die Erbpachthufe Nummer 4 zu Dorf Friedrichsruh gekauft haben.

19.10.1893 Häusler Ernst Janitz ist kurz vor Weihnachten 1890 verstorben, dessen Frau am 14.01.1893. Seit 1884 wohnt der Schwiegersohn Häusler Heinrich Piehl (34 Jahre alt) bei den Schwiegereltern. Nach dem Tode der Häusler Janitz- Eheleuten wurde vom Gemeindevorstand dem Heinrich Piel die Nutzung übertragen. Es gab Streitigkeiten über die Nachfrage der Häuslerei Janitz zwischen Heinrich Piel und Einlieger Knaack. Knaack hat Einspruch gegen die Entscheidung des Gemeindevorstandes beim zuständigen Ministerium in Schwerin gestellt.

05.12.1893 wegen Umzugs des Landbriefträgers Koch freigewordene Competenz hat der Einlieger Carl Niemann diese übernommen.

02.10.1899 das Schulzenamt wurde dem Erbpächter Johann Westphal (Hufe Nr. 1) auf ein Jahr vergeben. Der Schulze Wilhelm Thießen wurde auf seinen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen entlassen.

16.10.1899 erwähnt ist der Büdner Nr. IV Engeland

27.11.1899 Veränderung der Schreibweise von Friedrichsruh in Friedrichsruhe. Offizielle Bekanntmachung im Mecklenburgischen Staatskalender von 1901

12.09.1900 zum Schulzen der Gemeinde Friedrichsruhe Dorf, Dominialamt Crivitz wird der Erbpächter Johannes Westphal auf der Hufe Nr. II bestellt.

28.02.1908 In dem Steuerfuß der Gemeinde Dorf Friedrichsruhe, Dominialamt Crivitz wurde unterzeichnet mit Westphal, Muchow, Thiessen, Kruse und Röpke

13.10.1908 der Schulze Westphal zu Dorf Friedrichsruhe ist im August des Jahres gestorben. Die Bestellung zum neuen Schulzen des Büdners und Rademachers Carl Engeland mit Vorschlag vom 30.09.1908. Er leistete Amtseid am 20.11.1908

09.01.1913 Büdner, Unterförster und Lehrer Kruse Schriftwechsel bezüglich zusätzlicher Beiträge zur Gemeinde und Armenkasse

22.02.1913 Es wird angewiesen, dass der Büdners Nr. IV Karl Engeland zu Dorf Friedrichsruhe als Schulze zu beauftragen ist.

05.05.1919 Häusler Wieser im Dorf Nr. 10

17.02.1920 Beschwerde von Häusler Rambow

15.10.1920 Es werden die Häusler Dunker, Wieser Häusler und Schuhmacher W. Wiesner genannt

12.02.1921 Im Gremiendevorstand sind die Namen Engeland, Muchow und Piel zu lesen

04.08.1921 Einführung der Hundesteuer

14.10.1933 Der Büdner Wilhelm Beckendorf kaufte Land in Friedrichsruhe

1935 Die Dorfstraße die bisher nur ein Sandweg war, wurde gepflastert.

1935- 1937 Schriftverkehr über die Zusammenlegung gleichen Namens auf Vorschlag des Mecklenburgischen Landrat des Kreises Parchim und Erlass des Reichsstadthalter und Gauleiters für Mecklenburg und Lübeck Friedrich Hildebrandt. Von Streitigkeiten bis zur Einigung über den Zusammenschluss von Hof und Dorf Friedrichsruhe als eine Gemeinde. Ein Schreiben von 21.09.1936 über die Verhandlung der Frage über die Zusammenlegung von Hof und Dorf Friedrichsruhe liegt vor. Unterschrieben für Hof Friedrichsruhe wurde dieses Schreiben von: Meyer Bürgermeister, Wunderow 1. Beigeordneter, Otto lau, Dobbertin und Karlowa Gemeinderäte. Für Dorf Friedrichsruhe: Niemann Bürgermeister, Möller 1. Beigeordneter, Beckendorf 2. Beigeordneter und Ortsbauernführer, Köhn, Kröger, Wunderow, Bossow Gemeinderäte, Bartels Ortsgruppenleiter. Die Zusammenlegung erfolgt zum 01.04.1937. Hof Friedrichsruhe wird in die Gemeinde Dorf Friededrichsruhe eingegliedert.

 

Begriffserklärung

Allmende: Gemeindeland, durch Bauern gemeinsam genutzt (Wald, Weide, Moor, Acker)

Büdner: Kleinbauer mit Bude, Gartenland und Anteil an der Allmende, zunächst ohne

Zugtiere, Zuverdienst als Landarbeiter oder Handwerker notwendig

Einlieger: Zumeist im Tagelohn stehender Angehöriger unterbäuerlicher Schicht, ohne eigenen Haus und Landbesitz und ohne gemeindepolitische Rechte, wohnte beim Bauern zur Untermiete (lag ein)

Erbpächter: Bezeichnung eines Bauern mit Erbpachtrecht

Häusler: Tagelöhner mit eigenem Haus und kleinem Landstück, später Kleinbauer mit 2-5 ha Pachtland, Nebenverdienst oftmals als Handwerker und Landarbeiter

Hufe: Wirtschaftseinheit eines Vollbauern (Hufner) aus Haus, Hof, Garten, Acker und Allmendeanteilen bestehend, auch Flächeninhalt (10-13 ha)

Quadratrute: Eine Quadratrute entspricht einer Fläche von 21 ,679 m2

Horst Manfred Gerngreif nach über 70 Jahren zurück an seinem Geburtsort

Über Umwege - vom Amt Crivitz bis zum Stadtarchiv in Parchim, erreichte mich eine Nachricht von Herrn Horst Manfred Gerngreif aus Hilden mit der Bitte um Einsicht in alte Unterlagen der Gemeinde Friedrichsruhe aus dem Jahr 1945. Leider sind mir keine Unterlagen bekannt. Ich nahm trotzdem mit Herrn Gerngreif Kontakt auf.

Die Familie von Herrn Gerngreif musste, wie so viele Menschen 1945, ihre Heimat verlassen. Sie brachen Mitte Januar 1945 in Gogolin im Kreis Bromberg in Westpreußen auf und kamen ca. 6 Wochen später in Friedrichsruhe an. Seine Großeltern kamen mit seiner Schwester und der Berliner Schwägerin der Großmutter und deren zwei Kindern im Gutshof unter. Seine Mutter Heidi Gerngreif, geb. Rahr, kam erst später schwanger dazu. Am 26. Juli 1945 wurde dann im Gutshaus Friedrichsruhe Horst Manfred geboren. Außer, dass Friedrichsruhe als Geburtsort in seinem Ausweis steht, weiß er nichts. Sein Großvater Paul Rahr, geb. am 26. Februar 1898, wurde am 26. Juli 1945 zum Polizisten in Friedrichsruhe ernannt. „Dieses Dokument halte ich in den Händen“, so schrieb mir Herr Gerngreif.

1946 ging es weiter von Friedrichsruhe nach Eckernförde in ein Flüchtlingslager. Sein Vater war zu dieser Zeit in einem Kriegsgefangenenlanger in Schleswig Holstein unweit von Eckernförde. Er hat es noch in letzter Minute geschafft, die Seiten zu wechseln und in amerikanischer anstatt russischer Gefangenschaft zu landen.

1950 ging es von Eckernförde durch das Dänische Rote Kreuz in die ehem. Französische Zone, in die Pfalz. Zuerst nach Schrollbach, dann nach Landstuhl bei Kaiserslautern. Nach einem miesen Anfang und hartnäckiger Arbeitssuche gelang es seinem Vater eine feste Arbeitsstelle zu finden und so es ging peu á peu im Westen aufwärts.

Schon lange angekündigt, besuchte Herr Gerngreif am 25. August 2017 Friedrichsruhe. Ich nahm ihn bei Bannys Markt in Empfang. Zum Erstaunen vieler kam er mit seinem Oldtimer, ein 50 Jahre alter englischer Morris mit Holzaufbau. Wir lernten uns persönlich kennen, tranken Kaffee und Tee und aßen Mittag zusammen. Danach spazierten wir zum ehemaligen Gutshaus. Ich erzählte ihm etwas zur Geschichte dieses Hauses und aus der Geschichte von Friedrichsruhe. Etwas später zeigte ich ihm einige Sehenswürdigkeiten der Gemeinde, wie den Teufelsbackofen, die Goldenbower Mühle, das Schloss und die Kirche in Frauenmark.

Zum Abschluss fuhren wir noch nach Dorf Friedrichsruhe und dann übergab ich ihm zwei kleine Gastgeschenke; ein altes Foto von seinem Geburtshaus und eine Vase, die mir unser Bürgermeister zur Verfügung stellte. Danach wollte er weiter um sein Tagesziel in Lehsten / Möllenhagen in der Nähe von Waren zu erreichen. Ich verabschiedete mich und bedankte mich für seinen Kurzbesuch und wünschte ihm alles Gute für seine weitere Reise.

Jürgen Senger
im September 2017

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