Geschichtliches

Zur Geschichte der alten Slawenburg Dobin am Schweriner See und des letzten Obotritenfürsten Niklot

Lage der Burg

In der Region um den Schweriner See ist in diesem Jahr 2017 an ein Ereignis zu erinnern, welches sich genau vor 870 Jahren, also im Jahre 1147, abspielte. Ein Ereignis, bei dem es in unserer näheren Heimat zu Kämpfen um den damaligen Slawenstaat der Obotriten und um die Burg Dobin zwischen den christlichen Kräften des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen, den Dänen und den noch heidnischen Obotriten unter ihrem Fürsten Niklot kam. Es war der Beginn einer politischen und kulturellen Umwälzung, welche unsere Region bis in die Gegenwart beeinflusste. Die Geschichte der Burg Dobin steht dabei im engen Verhältnis mit dem Wirken von Niklot, des letzten Fürsten der Obotriten.
Im heutigen Bereich Mecklenburgs hatte sich das slawische Obotritenreich etabliert. Zu dieser Zeit waren die Obotriten gegenüber dem deutschen Kaiser und seinen Vasallen lehnspflichtig. Seit etwa dem Jahre 1129 war der Fürst Niklot Herrscher der Obotriten.

Aber es reichte den Kreisen um den Sachsenherzog Heinrich nicht, das Erreichte allein zu bewahren. Sie wollten das ganze Slawenland, „das fruchtbar, reich an vorteilhaften Weiden und Äckern sowie mit Fisch, Fleisch und allem Guten im Überfluss versehen war“ in ihrem Besitz haben. So entschloss man sich unter dem Vorwand eines Kreuzzug das Land zu erobern und das Christentum im Slawenland einzuführen.

Fürst Niklot vernahm von den Vorhaben zum Kreuzzug gegen sein Land. So konnte er ahnen, was ihm und seinem Volk bevorstand. Wie der Historiker Helmold von Bosau (1209) berichtet, „rief er all sein Volk zusammen und fing an, am nordöstlichen Ende des Schweriner Sees die Feste Dobin zu erbauen, damit sie dem Volk in der Not als Zufluchtsort diene“ (Abbildung). Die Lage und die Verteidigungsmöglichkeiten der Burg Dobin am Nordende des Schweriner Sees scheint dem Fürsten und seinen Beratern strategisch sehr bedeutend gewesen zu sein.
Es mussten jedoch auch eine Reihe von Baumaßnahmen, die Bereitstellung einer großen Menge an Vorräten, ein genügendes Waffenarsenal, Unterbringungsmöglichkeiten für die Mannschaft, das Vieh und für viele Gefangene geschaffen werden.

Anfang August des Jahres 1147 hatte sich das sächsische Heer unter dem Herzog Heinrich endgültig in Marsch gesetzt. „Unter steter Verheerung zog das Heer bis vor die Burg Dobin und belagerte die Feste“, wie der Chronist Helmold danach vermerkte. Ebenso beteiligten sich auch dänische Kräfte an der Belagerung der Burg.
Die Angreifer belagerten die gut befestigte Burg Dobin und bauten gegen diese viele Belagerungswerke auf. Doch die ersten Angriffe waren wenig erfolgreich, so dass sich die Belagerung lange hinzog.  Durch einen Ausfall der Slawen überrascht, zogen sich die Dänen von der Burg zurück und segelten nach Hause. Von den verbleibenden Kreuzfahrern aber wurde nach dem Abzug der Dänen die Belagerung der Slawenburg vorerst fortgesetzt.

Der Chronist Helmold beschließt den Bericht über die Belagerung der Burg Dobin mit den Worten: „Zuletzt, als die Unseren (Sachsen) des Kampfes schon überdrüssig waren, wurde eine Übereinkunft geschlossen unter der Bedingung, dass die Slawen den christlichen Glauben annehmen und die Dänen, die sie gefangen hielten, freigelassen werden sollten. Danach wurden viele derselben (Slawen) zum Scheine getauft, und aus der Knechtschaft entließen sie alle Greise und unbrauchbaren Personen, die übrigen jedoch, welche noch im rüstigen Alter und zur Arbeit geschickt waren (tauglich waren), behielten sie zurück“. So zog auch der Sachsenherzog mit seinen Kriegern zum Ende des Jahres von der Burg ab.

Nach späteren Berichten soll der Bischof Berno aus Schwerin die nun folgende Taufe der Heiden selbst vorgenommen haben, wobei mehr als 1000 Heiden getauft worden seien.
Das Ziel des Sachsenherzogs Heinrich dem Löwen war es weiterhin, das Slawenland gänzlich zu erobern und in seinen Machtbereich einzugliedern.  So drang Heinrich der Löwe im Jahr 1160 wiederum mit einem großen Heer in das Slawenland ein, um es diesmal endgültig unter seine Herrschaft zu bringen.

Fürst Niklot, der die Aussichtslosigkeit des Kampfes sah, entschloss sich, alle seine westlichen Burgen aufzugeben und ließ alle seine Burgen einäschern und zog sich mit seinen verfügbaren Streitkräften auf die Burg Werle (bei Schwaan) zurück. Hier geriet er in einen Hinterhalt der Sachsen und wurde im Kampf getötet. Mit ihm zerfiel der Obotritenstaat. An Stelle des Slawenstaates entstand späterhin das christlich geprägte Fürstentum Mecklenburg, das Niklots Sohn Pribislav als erstem christlichen Fürsten dieses Landes zufiel.

Das Gelände der alten Burg Dobin verkaufte der Mecklenburgische Herzog später an die Familie Sperling, welche bereits große Besitzungen am Ostufer des Sees inne hatte. So gehört das Gebiet der alten Burganlage heute zur Gemeinde „Dobin am See“, welche ihren Gemeindenamen  nach dieser Traditionsstätte benannte.

Der Kulturverein Sagenland Schwerin hat sich in letzter Zeit mit vielen regionalen Unterstützern um die Darstellung der historischen Zusammenhänge und um die Erkennung von Sagenorten in dieser Region um das Nordende des Schweriner Sees sowie um die Bedeutung des Fürsten Niklot recherchiert. An verschiedenen Stellen stehen heute bereits Sagensteine, welche auch Geschichten um den Fürsten Niklot beinhalten. Demnächst sollen neben den Informationssteinen noch ein sogenannter „Niklot-Pfad“ die Besucher zu interessanten Orten zwischen Retgendorf und Hohen Viecheln führen. Zudem werden eine Broschüre und ein Flyer dazu ausführliche Informationen anbieten.

Dr. Heinz Falkenberg, Ortschronist Hohen Viecheln.

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